Na ja, so richtig „auf“ ist er nicht. Immerhin kann man da jetzt flanieren und den Möwen beim Kacken zuschauen. Jedenfalls tagsüber. Nach Einbruch der Dunkelheit - sobald das letzte Schnellboot angelegt hat - wird er wieder sorgsam verschlossen. Dann reitet der grimmige Hilfssheriff wieder auf seinem rabenschwarzen Quad die Zäune ab und jagt jeden rüde zum Teufel, der da etwa unberechtigt einzudringen versucht. Dann ist man schon froh, wenn man nicht gleich erschossen wird.
Nun kommt man - wenn man in San Sebastian oder Los Cristianos was einzukaufen hat, natürlich mit dem Auto zur Fähre. Das Auto darf nicht in den neuen Hafen. Es gibt zwar Parkflächen so weit das Auge reicht, aber die bleiben unbenutzt. Man muss im alten Hafen parken. Oder die Schüssel an der Straße stehen lassen. Den Weg vom alten zum neuen Hafen legt man dann zu Fuß zurück. Ist ja nicht weit. Kaum mehr als ein Kilometer. “Am Flughafen kann man ja auch nicht mit dem Auto bis an die Gangway fahren”, erklärte uns der Hafenmeister, als wir ihn fragte, warum das eigentlich so sei.
Kommt man schließlich mit seinen Einkäufen schwer beladen zurück, dann kann man - wenn man schnell genug ist - vielleicht noch rasch sein Auto holen, um sein ganzes Geraffel nicht schleppen zu müssen. Aber nur, wenn man schnell genug ist, denn sobald der letzte Passagier von Bord ist wird der Hafen wieder abgeschlossen. Er könnte ja geklaut werden.
Nun fragt sich natürlich alle Welt, wer sich das alles ausgedacht hat. Ob die Verantwortlichen vielleicht von so einer Art geistiger Schweinegrippe befallen sind. Kann aber eigentlich nicht sein. Wir vermuten, dass zurzeit einfach kein bedeutender Inselpolitiker zur Hand ist, um große Reden zu halten und sich vom Wahlvolk, ob der sensationellen Hafeneröffnung, huldigen zu lassen. Wahlen sind ja erst im nächsten Jahr, und spätestens dann - was gilt die Wette? - stehen uns garantiert wieder umfangreiche Hafeneröffnungsfeierlichkeiten ins Haus. (Das heißt: Wenn die Subventionen weiter sprudeln und nicht wegen der Krise etwa gestrichen werden müssen, was dann ja wohl auch das spornstreiche Ende des „Benchi-Express“ zur Folge hätte).
Dass es sich bei dem üppig sprießenden Grün im neuen Hafen um Unkraut handelt, wie viele meinen, können wir nicht glauben. Bestimmt handelt es sich um wunderschöne, tropische Bäume, die einst, wenn sie groß sind, jeden Gomera-Besucher auf der Insel willkommen heißen und mit süßem Duft betören. Wir müssen eben nur ein wenig Geduld haben. Von heute auf morgen wächst so ein tropischer Garten schließlich nicht.
Aber schon meldet das Bananenbuschtrommelgramm, dass in Kürze Fred.Olsen im neuen Hafen ein großes, eigenen Gebäude zu errichten gedenkt. Garantiert passt sich das dann dem postmodernen Sichtbeton-Charme des übrigen Hafens perfekt an. Da würde dann natürlich jede Form von tropischem Grün im Wege sein. Lassen wir´s also gleich.