La Gomera - Der Valle-Bote: Auf Gomera geliebt - in der Welt beachtet

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Harry Herold rettet die Welt
Wirtschaftskrise beendet
Jeder 5. Deutsche lebt vom Auto. Das hat unsere wackere Regierung richtig erkannt. Und sie hat auch die absolut richtige Maßnahme zur Bewältigung der allgemeinen Finanz- und Weltwirtschaftskrise getroffen: Die Abwrackprämie. Dahinter steckt die geniale Idee, dass jeder, der sein altes Auto auf den Müll schmeißt, ja anschließend spornstreichs ein neues braucht, weil kein zivilisiertes Leben ohne Automobil möglich ist. Für niemanden. Die alte Schüssel wird eingestampft, die neue steht schon beim Händler rum.

Die Automobilindustrie jubelte ob dieses Geniestreichs. Gleich wurden ein paar clevere Marketing- und Werbetexter beauftragt, für so negative Begriffe wie „Abwrack“- oder „Verschrottungs“- Prämie einen neuen, einen knackigeren Namen zu finden. So entstand das Werbewort „Umweltprämie“, das alsbald auch in allen doppelseitigen Anzeigen aller Automobilfirmen und in allen Werbespots auf allen Kanälen listige Anwendung fand. Plötzlich wurden nämlich alle Autos wie von Geisterhand „inkl. Umweltprämie“ deutlich billiger angeboten, und die vom Fernsehen inzwischen ja weitestgehend vollverblödete Autofahrernation raste in die Läden und kaufte wie bekloppt neue Autos. Sogar Opel - bis dato vom Käufer ob seiner Hosenträgermodelle eher gemieden - konnte bereits im ersten Abwrackmonat den Absatz seiner Gurken um satte 21% steigern. Jubel, Jubel.


(Die Idee, auch gleich das marode Rentensystem dadurch zu sanieren, dass man alle Rentner mit ihren alten Autos prämienbegünstigt mitabwrackt, konnte sich allerdings nicht durchsetzen).


Vorschläge, wie man den Auto-Boom nun auch nachhaltig zementieren kann, gäbe es zuhauf:


Kontinuierliche Herabsetzung des Führerscheinalters auf 16, 14 und schließlich sogar 12 Jahre;


Streichung aller Punkte in Flensburg beim Kauf eines Neuwagens;


deutsche Staatsangehörigkeit beim Erwerb eines deutschen Automobils für alle Zuwanderer - und so weiter.


Zunächst aber sollte man nun dazu übergehen, all die vielen Neuwagen, die unverkäuflich auf den Werksgeländen (sprich: Auf Halde) rumstehen, auf Staatskosten ebenfalls pauschal zu verschrotten. Das verschafft den Unternehmen finanziell kurzfristig Luft und gleichzeitig Platz für die weitere Produktion neuer Autos.


Und alles, was nicht binnen drei Monaten nach Fertigstellung verkauft, verleast, verschenkt oder nach Afrika verhökert werden kann, wird künftig eingestampft. Weg damit! Subventionieren und verschrotten. So sind die vielen Arbeitsplätze nicht nur in Deutschland, sondern auch in Ungarn, der Slowakei, Vietnam und Kirgisien gesichert.


Zur Diversifikation des Automobilgeschäfts wird jedem Automobilwerk gleich eine neue, voll moderne, total umweltverträgliche Hochleistungsschrottpresse angegliedert. Die fortschrittlichen, zukunftsorientierten Autobauer verlängern ihre Bänder dann. Nach Endabnahme und Qualitätskontrolle jedes fertigen Fahrzeugs läuft das Band automatisch weiter in die Verschrottungsabteilung.


Diese wird natürlich als kaufmännisch ausgelegtes Tochterunternehmen zunächst staatlicherseits subventioniert und sorgt ihrerseits dann anschließend für zusätzliche Wertschöpfung im Konzern. So wird gleichzeitig sichergestellt, dass die Bonuszahlungen an Vorstand, Management und Aufsichtsrat wieder ein gesundes Wachstum erreichen.


In einem geschlossenen Kreislauf wird der Verschrottungsanlage ein eigenes Stahl- und Walzwerk angegliedert, das dann am vorderen Eingang als betriebseigener Zulieferer die Automobilproduktion gleich wieder mit den benötigten Rohstoffen versorgt. Dafür gibt es eine Umweltprämie für Nachhaltigkeit, Recycling und Schonung nicht nachwachsender Ressourcen.


Überall in der Welt können nun weitere derartiger Industrieanlagen neu gebaut werden, für Millionen von Arbeitsplätzen sorgen und auch die deutsche Maschinenbaubranche wieder zur Nummer eins in der Welt machen. Dann hängt in Deutschland bald nicht mehr nur jeder 5., sondern ganz bestimmt jeder 2. Arbeitsplatz vom Automobil ab. Zumindest indirekt.


 


Schon soll - wie man aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen hört - ein ähnliches System für die Möbelbranche entwickelt werden. Statt - wie bisher üblich - die Überproduktionen in zweifelhaften Nacht- und Nebelaktionen in dubiosen Lagerhäusern auf der grünen Wiese zum Schaden der Versicherungsgesellschaften durch unverhofft auftretende Kurzschlüsse in der Elektroinstallation abzufackeln, sollen auch hier künftig Abwrackprämien gezahlt werden. Die Verschrottung wäre noch einfacher:


Ein-Euro-Jobber mit Hammer und Kneifzange besorgen das Grobe, eine vollautomatische Maschine zur Herstellung von Pellets, mit denen anschließend umweltfreundlich geheizt werden kann, macht den Rest und sorgt gleichzeitig für eine satte Zusatzsubvention der EU.


Die Weltwirtschaftskrise ist besiegt, Angela Merkel wird die Mutter Teresa des 21. Jahrhunderts, und wir alle können uns wieder ganz beruhigt vor unsere Plasmabildschirme setzen und uns weiter bespaßen lassen.


Ach so, die Klimakatastrophe. Auch kein Problem mehr. Die wird einfach um hundert Jahre verschoben. Dann geht uns die allen echt voll am Dingens vorbei.



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