Es gibt schließlich Leute, die schaffen sich ohne Ende Kinder an. Damit die Menschheit nicht ausstirbt, sagen sie. Oder: Damit die Renten auch morgen noch sicher sind. Vielleicht aber denken die ja auch, die Kinder würden sie eines Tages ernähren (was sich allerdings meist als Illusion herausstellt). Aber egal. Die Kleinen sind ja “so süß” und sie sehen genau aus wie der Papi. Was macht es schon, wenn sie mal auf den Teppichboden kacken?
Andere Leute halten sich einen Dackel. Oder einen Pudel, oder zweiundzwanzig Katzen. Die sind auch alle “so süß”. Futter wird kistenweise aus dem Supermarkt angeschleppt. Geld spielt keine Rolle, wenn es um die kleinen Lieblinge geht.
Manche Männer halten sich neben der ohnehin kostspieligen Ehefrau noch eine teure Geliebte. Die ist noch viel teurer als ein Dackel. Die ist sogar teurer als ein ganzes Terrarium voll exotischer Sumatragebirgsexen. Spielt aber keine Rolle. Hauptsache sie sieht aus wie Marilyn Monroe, die Geliebte. Hauptsache sie macht was her.
Frauen halten sich als Entschädigung dafür einen kleinen Robert Redford oder Til Schweiger als Tackerboy. Auch der kostet richtiges Geld - aber was soll´s? Der ist ja “total süß” und die Freundinnen werden alle grün vor Neid, und allein das ist es doch schon wert.
Dann gibt es Leute, die zwar kein Viehzeug in der Wohnung haben wollen (wegen der Haare und so). Die engagieren sich dann beim WWF und zahlen für den aussterbenden Berggorilla eine großzügige Apanage. Oder sie übernehmen die Patenschaft für einen niedlichen Rauhzahndelfin auf Gomera. Den zeigen sie dann als Foto rum und haben sogar eine Urkunde, die sie sich im Wohnzimmer an die Wand nageln können. Toll.
All das bringt uns einfach gestrickte Gomerianer nun auf die Idee, ob man nicht auch mal was für unsere letzten Hippies tun könne, die soeben dabei sind, die verlassene Schweinebucht wieder mit etwas alternativem Leben anzureichern. Auch die sind doch “echt süß”, anhänglich, genügsam, total stubenrein und vom Aussterben bedroht.
Gibt es denn keine gestopfte Geheimratswitwe, die sich statt eines fetten Mopses lieber einen liebebedürftigen, zutraulichen Späthippie aufs Sofakissen setzen möchte? Der wäre auch bestimmt gern bereit, zum Kiffen immer auf den Balkon zu gehen, damit die Gardinen nicht gelb werden.
An der Leine würde er zwar wahrscheinlich nicht gehen, der Hippie, und auch mit einer artgerechten Käfighaltung hätte der Probleme. Andererseits aber könnte man ihn ganz leicht dazu dressieren, sich seine Mahlzeiten selbst zuzubereiten und sich das Bier auch selbst aus dem Kühlschrank zu holen. In dieser Beziehung wäre er sehr viel leichter zu halten als ein Mops (der ja allein nicht mal die Kühlschranktür aufkriegt).
Aber man brauchte ihn wahrscheinlich auch gar nicht aus seinem gomerianischen Habitat in die enge Zweieinhalbzimmerwohnung zu holen. Es würde schon ausreichen, wenn man ihn auf Gomera ließe (wo er sich sowieso sehr viel wohler fühlt als am zugigen Berliner Breitenbachplatz) und ihm lediglich eine Art monatlicher Leibrente auf das Konto der Caja Canarias zu überweisen.
Zu Weihnachten und zum Muttertag würde der selbstgemalte Karten schicken, und - falls man ihn dermaleinst im Testament bedenkt - sogar im dunklen Anzug zur Beerdigung nach Bielefeld kommen und Rotz und Wasser heulen.
Die Patenschaft über einen echten Gomera-Hippie hätte - so gesehen - doch eigentlich nur Vorteile. Für beide Seiten. Eine echte Win-Win-Situation also.
Natürlich wird mancher jetzt gleich wieder sagen: “Faulenzende Hippies ernähren? Ich? In Zeiten der internationalen Finanzkrise und des abschmierenden DAX? Bei drohender Verarmung durch die Abgeltungssteuer und ähnliche Schweinereien? Ich glaube es hackt!”
Können wir natürlich voll verstehen, eine derartige Reaktion. Aber vielleicht sollte man gerade jetzt, wo sich die ganzen Bankvorstände mit üppigen Altersbezügen vom Acker(mann) machen, mal überlegen, wie vielen genügsamen, bescheidenen und umweltverträglichen Gomera-Hippies man allein mit der Provision eines einzigen Sackbearbeiters von LehmannBrothers&Co zu lebenslangem Glück verhelfen könnte. Tausenden - mehr jedenfalls als je auf Gomera gelebt haben!
Und hätte man sich - statt sein Geld in Telekom-Aktien zu stecken oder gar Anleihen der Hypo-Real-Estate zu erwerben - einen freundlichen Gomera-Hippie auf die Couch gesetzt, dann wäre das nicht nur viel, viel billiger gewesen, man hätte sich auch ein halbes Dutzend Magengeschwüre und den dritten Herzinfarkt gespart.
So gesehen - und es ist ja noch nicht zu spät dafür - garantiert so ein Paten-Hippie aus der Schweinebucht Seelenfrieden, Gesundheit und ein langes, erfülltes Leben fernab von Wall-Street und Kreditgeschäften. Und zum Lieben Gott in den Himmel kommt man hinterher auch noch - als Gratis-Zugabe sozusagen.
Bevor Sie also unseren gut gemeinten Vorschlag einfach so unüberlegt in den Wind schlagen und uns für absolut bescheuert halten, sollten Sie sich lieber mal ganz entspannt zurücklehnen und ernsthaft darüber nachdenken. Was gibt es denn schöneres, als abends, wenn man voll gestresst aus dem Büro heimkommt, in die dankbar leuchtenden Augen eines happy Hippies zu blicken, der den ganzen Tag nur darauf gewartet hat, dass man endlich mit den ALDI-Tüten nach hause kommt und die Keramikplatte aufheizt? Vielleicht zupft er Ihnen gar - während Sie hinterher das Geschirr abwaschen - noch ein herzliches Dankeschön auf seiner Gitarre.
Würde das Ihr Anlageberater von der HypoVereinsbank tun? Würde der garantiert nicht! Auch wenn der Ihnen gerade eine halbe Million ersparte Euroletten versenkt hat und Sie daraufhin mit Atemstillstand den Notarzt rufen müssen. Ginge dem voll am Dingens vorbei.
Wenn Sie es geschickt anstellen, dann können Sie Ihren Gomera-Hippie sogar voll von der Steuer absetzen. Sie brauchen ihn doch lediglich als Chauffeur anzustellen - natürlich nur auf dem Papier, damit er Ihnen nicht womöglich pupenstoned Ihren Daimler um den Baum wickelt. Oder Sie geben ihm (pro forma!) einen Job als freiberuflicher Investment-Berater oder Gesundheits-Coach oder Stresswegbeter.
Am besten besprechen Sie das mit Ihrem neuen Gomera-Mitbringsel selbst. An Kreativität wird es dem keinesfalls mangeln, das versprechen wir Ihnen.
Und sollten Sie - als finanzkrisengebeutelter Mietshausbesitzer - etwa die geniale Idee haben, größere Immobilien zwecks Umwandlung in gewinnbringendere Eigentumswohnungen vorher “entmieten” zu müssen, so wird Ihnen Ihr Gomera-Hippie gegen kleine Münze ganz große Dienste leisten.
Er braucht lediglich ein paar Freunde von der Insel mitzubringen, die nachts auf Ihrem Balkon regelmäßig die Kacktustrommel schlagen und auf dem Didgeridoo einschmeichelnde Weisen dazu blasen. Die ganze Nachbarschaft - ach was - das ganze Wohnviertel wird kulturell absolut begeistert sein.