La Gomera - Der Valle-Bote: Auf Gomera geliebt - in der Welt beachtet

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Professor Herbert Scheuermann:
Die großen Irrtümer der Menschheit
Zwischen all den Hujus und Kapaiken, die seit Jahren schon auf Gomera klimatisches Asyl suchen, finden sich auch immer wieder große Denker. Tief versteckt in den Barrancos der Insel haben sie sich von der “normalen” Welt verabschiedet, um still vor sich hin darüber nachzudenken, wie sich denn die Menschheit zu dem entwickeln konnte, was sie heute ist.

Es muss so etwa in der Zeit gewesen sein, als sich in den ostafrikanischen Savannen durch die evolutionäre Ausbildung der Großhirnrinde aus dem Haplorhini, dem Trockennasenaffen, der homo erectus, der aufrecht gehende Zweibeiner, entwickelte. Das ist inzwischen zwar schon an die zwei Millionen Jahre her (also lange bevor die Steinzeit begann), aber es gab schon damals bereits früh- bzw vor-menschliche „Ideen“, von denen sich die Welt bis auf den heutigen Tag nicht erholt hat. Die großen Irrtümer der Menschheit -  von der Atombombe bis zum Dosenpfand - sie entstanden bereits bei unseren Vorfahren, kaum dass diese damit begonnen hatten, sich vom Affentum zur „Krone der Schöpfung“ aufzuschwingen.


Ein Blitzschlag hatte damals eine verdorrte, allein stehende Akazie entzündet, unter der sich eine Gruppe behaarter Zweibeiner ihren Lagerplatz eingerichtet hatte. Erschreckt sprangen die Frühmenschen auf und suchten das Weite. Bis auf einen. Der war wohl durch das unerwartete Naturereignis irgendwie neugierig geworden. Wäre auch er davongelaufen, oder hätte er den Brand gelöscht (was ja eigentlich logisch gewesen wäre), der gesamten Menschheit wäre in der Folge sicherlich viel Leid erspart geblieben.


Aber nein. Dieser eine, dessen Namen (sofern er damals überhaupt schon einen gehabt hatte) längst vergessen ist, kam auf die blödsinnige Idee, mit den Flammen zu experimentieren. Und er fand schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte heraus, dass man mit Feuer allerlei Unfug treiben konnte.


Damit nun dieses, soeben entdeckte, neue Element nicht alsbald wieder erlosch, organisierte der „Herr des Feuers“ (wie er sich fortan respektvoll nennen ließ) zunächst einmal einen laufenden Nachschub an Brennmaterial. Sein tolles Feuer, das da plötzlich so magisch durch die Nacht leuchtet, sollte schließlich nicht gleich wieder ausgehen.


Bald keuchten die frühen Menschlein unter der Last des Holzes, das sie immer mühsamer aus immer weiteren Entfernungen von ihrem Lagerplatz herbeischaffen mussten. Und weil sie von der ungewohnten Plackerei auch relativ bald schon die mutierte Trockennase gestrichen voll hatten, darum mussten sie durch Extranahrung und andere kleine Belohnungen auf der einen, durch ausgeschlagene Zähne und andere Prügelstrafen auf der anderen Seite immer wieder aufs Neue zum Holzholen „motiviert“ werden. So entstanden bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte Lohnarbeit und Sklaverei. Wer nicht mit „Feuereifer“ bei der Sache war, der wurde „gefeuert“. Bis auf den heutigen Tag hat sich an diesem System nichts geändert. Und all das nur, weil da in grauer Vorzeit mal einer eine erste, total bescheuerte Idee gehabt hatte.


Später dann, als die Menschen so ziemlich alles frei wachsende Holz verkokelt hatten, gruben sie tief unter der Erde nach fossilen Brennstoffen, dem Öl und der Kohle. Riesige internationale Konzerne entstanden, die diese Brennstoffe auf ähnliche Art und Weise fördern ließen, wie ihre behaarten Vorfahren das trockene Holz aus der Savanne. Nur eben in viel größerem Stil. Und alle diejenigen, unter deren Land fossile Brennstoffe lagerten, die konnten sich später ihre Badewannen vergolden lassen, während andere sich pausenlos den Dingens aufreißen mussten, um sich selbigen in den kälteren Regionen der Welt nicht aus Mangel an Heizöl abzufrieren.


Früh hatten die Menschen nämlich herausgefunden, dass man sich am Feuer prima wärmen und im Licht des Feuers auch bei Dunkelheit astrein sehen kann. Das wiederum führte dazu, dass sich bereits der homo erectus weit über das, von der Natur vorgesehene Maß hinaus vermehrte. (Nicht wenige Forscher führen den Namen „erectus“ auf diese frühe Phase der Promiskuität zurück). Erwartete das Männchen früher in seiner kalten Höhle zitternd das erste Licht der wärmenden Sonne um „sich aufzurichten“, so konnte es sich nun im romantischen Widerschein der sanft züngelnden Flamme Nacht für Nacht seinen zahlreichen Weibchen zuwenden, was dann zwangsläufig zu den ersten so genannten „geburtenstarken Jahrgängen“ führte. Aus dieser Zeit stammen wahrscheinlich auch Sexualbegriffe wie „meine Flamme“ oder „ganz schön feurig“ oder (vulgo) auch  „Feuer im Hintern“. 


So wurden die ostafrikanischen Savannen mit der Zeit übervölkert und die ersten Menschen begannen damit, als so eine Art früher Wirtschaftsflüchtlinge auch die restlichen Teile der Welt zu besiedeln. Aber statt nun - was ja vernünftig gewesen wäre - nur in jene Gegenden der Welt auszuwandern, die ein sonniges, warmes, menschenfreundliches Klima garantierten, wanderten sie im Laufe der folgenden Jahrtausende selbst in eigentlich unbewohnbare, dunkle, kalte Landstriche wie Nowosibirsk, Alaska und oder die norddeutsche Tiefebene. Sie hatten ja das Feuer, das ihnen selbst bei Schnee, Dauerregen und einer gefühlten Temperatur von minus 50 Grad immer noch den kalten Dingens angenehm wärmte.


Das wiederum führte dann zum Aussterben von Mammut, Mastodon, Säbeltiger und Wachtelkönig, deren angestammtes Habitat ihnen im Folgenden von künstlich aufgewärmten Zweibeinern immer mehr streitig gemacht wurde.


Zu Anfang hatten die Frühmenschen „Feuerträger“ und „Hüter des Feuers“ und ähnliche qualifizierte Berufe, die dafür sorgten, dass auf ihren langen Völkerwanderungen die Flamme niemals erlosch. Noch heute erinnern symbolische Fackelträger - zum Beispiel bei den Olympischen Spielen oder dem „Großen Zapfenstreich“ - an diese Tradition.


Dann aber kam einer (böse Zungen behaupten beim Onanieren) darauf, dass man auch durch Reibung Wärme erzeugen kann. Und bei der Weiterentwicklung dieser Technik rieb man hartes an weichem Holz und konnte nun - wenn auch äußerst mühselig - überall und nach Belieben Feuer machen. Der Beruf des „Feuerträgers“ starb aus und wurde durch den des Pyromanen, des „Feuermachers“ ersetzt. Alles geschichtlich eindeutig belegbar.


In der heutigen Zeit, in der ja nun jeder mittels Zündhölzern oder Feuerzeug selbst sein Feuer entzünden kann, lebt der Beruf des ehemaligen Feuermachers als „Feuerwerker“ fort. Waren es im frühen Mittelalter noch die „Feuerräder“, die zur Sonnenwende von den Bergen gerollt wurden, so sind es heutzutage gigantische „Feuerwerke“, mit denen die Menschen zu allerlei Anlässen der Entdeckung des Feuers feierlich gedenken.


Überhaupt war es die Entdeckung des „Feuersteins“, die den Menschen schließlich in die Lage versetzte, die gesamte Welt mit „Feuersbrünsten“ zu überziehen. Bald fielen die Völker „mit Feuer und Schwert“ übereinander her. Sie „brandschatzten“, verbrannten ihre Schiffe und Brücken hinter sich, hinterließen „verbrannte Erde“ und feuerten aufeinander nach dem Kommando „Feuer frei!“


Nie hätten sie sich in so großer Zahl gegenseitig abschlachten können, hätte sie nicht erst das Feuer - beispielsweise - befähigt, Metalle zu schmieden, Kanonen mit Pulver und Blei oder Raketen mit strategischen Atomsprengköpfen zu füllen. Wäre das Feuer damals in der Savanne rechtzeitig gelöscht worden, dann würden New Yorks Twin-Towers nicht nur noch stehen, sie wären erst gar nicht gebaut worden.


Auch hätten die Menschen ihre chaotischen Kriege der Neuzeit niemals allein auf dem Rücken der Pferde - wie weiland Dschingis Khan - führen können. Erst der Weg über die Dampfmaschine, das Dampfschiff, die Lokomotive, das Automobil und schließlich den Kampfjet setzten die Menschheit in die Lage, sich gegenseitig in großem Stil auszurotten. Alles Ergebnisse jenes beknackten Halbaffens, der damals seine Finger nicht vom brennenden Dornbusch lassen konnte.


Das Eigentumsrecht an unschuldigen Rindern wurde durch „Brandzeichen“ dokumentiert, Brandrodung vernichtete die Regenwälder, gegen Brandherd und Feuersbrunst musste die Feuerwehr anrücken, und alle Andersdenkenden wurden Jahrhunderte lang als Hexen verbrannt.


Statt natürlich gegorene Weine zu genießen verfielen die Menschen mittels des Feuers darauf, diese zu „Branntwein“ bzw „Weinbrand“ zu destillieren, sich damit tot- oder zumindest blind- zu saufen und vom „brennend heißen Wüstensand  fern, so fern vom Heimatland“ zu lallen. Mit „Feuerwasser“ wurden die Indianer ausgerottet, und noch heute liefern sich die Anonymen Alkoholiker aussichtslose Kämpfe gegen das staatliche Branntweinmonopol.


Ohne die Entdeckung des Feuers wären auch Frauen nie unterdrückt worden, denn erst durch die voll behämmerte Idee, dass man Nahrung  statt sie roh und gesund zu verzehren, diese auch kochen, braten oder backen kann, kamen Küche und Herd, Hausfrau und Mutter in Mode. Frauen wurden nie - und auch das ist wissenschaftlich inzwischen eindeutig belegt - von Männern unterdrückt, sondern einzig und allein vom Feuer und all jenen, die im Laufe von Jahrtausenden darauf so abartige Dinge wie Pizza, Pfannkuchen oder ungarisches Gulasch zubereiteten. Oft in der völlig abwegigen Annahme, dass „Liebe durch den Magen“ ginge - sprich, dass nur die Frauen, die die allerbescheuertesten Kochrezepte kannten, die besten weil begattungsfähigsten Männer an sich binden könnten.


Aus all dem ersehen wir, dass von all den großen Irrtümern der Menschheit, die Entdeckung des Feuers wahrscheinlich einer der ersten und folgenschwersten war. Wie schön und friedlich könnten wir in den naturwarmen Gegenden der Welt (auf Gomera zum Beispiel) unter der Palme liegen, würden den Begriff „Arbeit“ nicht kennen, lebten gesund von unverfälschter Naturkost, gingen bei Einbruch der Dunkelheit zu Bett und stünden bei Sonnenaufgang ausgeruht und ausgeschlafen fröhlich wieder auf. Es war nämlich gar nicht, wie uns die Bibel glauben machen will, der Erzengel Gabriel, der uns aus dem Paradies vertrieben hat. Es war das Feuer.”


 


So weit Professor Scheuermann, der uns für eine unserer nächsten Ausgaben bereits Aufklärung über den zweiten großen Irrtum der Menschheit, die Erfindung des Rades, versprochen hat.


Es muss wohl an der klaren, feinstaubfreien Luft unserer Insel liegen, an den stets kräftig wehenden Passatwinden, an der blauen Weite des Ozeans und dem wolkenlosen Himmel darüber, dass große Erkenntnisse über das wahre Wesen der Menschheit die Hirnwindungen zugewanderter Eiländer stets aufs Neue derart elektrisieren.


Möglicherweise aber liegt es auch daran, dass in der “zivilisierten” Welt heutzutage einfach gar keine Zeit bleibt, einmal grundlegend darüber nachzudenken, woher denn all der Hirnriss, mit dem die Menschen ihren Planeten immer mehr zugrunde richten, eigentlich kommt.


Danke, Professor Scheuermann!



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